Ratten
Wanderratte:
Die Wanderratte ist sehr anpassungsfähig. Sie ist ein soziales Tier, lebt in Gruppen von 50 bis 60 Individuen die zumeist aus einem Männchen und mehreren Weibchen und Jungtieren bestehen. Ihr Revierverhalten ist ausgeprägt. Die Angehörigen einer Gruppe erkennen sich am Geruch. In Gruppen von Wanderratten können Erfahrungen, die einzelne Gruppenmitglieder gemacht haben, an andere Mitglieder weitergegeben werden.
Im Freiland baut die Wanderratte Erdhaufen mit Gängen, die zu den Nest- und Vorratskammern führen. In Gebäuden befinden sich die Nester meist in Zwischendecken und Hohlräumen, aber auch in locker gestapelten Materialien. Im Freiland wird eine Wanderratte meist kaum älter als ein Jahr.
Die Weibchen werden von mehreren Männchen gedeckt, ein Weibchen bringt im Laufe ihres Lebens 6 bis 8 Würfe mit etwa 40 Jungen zur Welt. Die nackt und blind geborenen Jungen öffnen am 15. Tag die Augen. Sie werden ca. drei Wochen gesäugt und werden nach 6 bis 7 Wochen selbständig. In einem Nest können mehrere Weibchen gleichzeitig einen Wurf großziehen. Wenn die Mutter ausfällt, übernimmt ein anderes weibliches Tier die Brutpflege. Die Jungtiere haben ein ausgeprägtes Spielverhalten.
Die wenig spezialisierten und somit sehr anpassungsfähigen freilebenden Tiere gelten gemeinhin als Nahrungsmittelschädlinge.
Bei der Pest spielte die Wanderratte in Europa keine große Rolle. Zwar wird sie vom Rattenfloh Xenopsylla cheopis auch als Wirt angenommen, sie kann somit als Überträger wirken, aber zur Zeit der großen Pestepidemien (erste große Welle: Schwarzer Tod) des ausgehenden Mittelalters war sie in Europa kaum verbreitet. Weiterhin kommen freilebende Wanderratten auch als mechanische Vektoren für die verschiedensten Krankheitserreger in Betracht. Sie sind eindeutig als Überträger von Typhus, Cholera, Ruhr, Tuberkulose, Trichinose, Leptospirose, Maul- und Klauenseuche und von Fadenwürmern festgestellt.
Freilebende Wanderratten sind neben anderen kleinen Nagern ebenfalls Reservoirwirte für diverse Borrelienarten (Bakterien), die dann auch von Vektoren wie z. B. Zecken auf Tier und Mensch übertragen werden können. Andere Erreger können durch Urin und Kot der Ratten per Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion übertragen werden.
